1. August 2017

In den Fängen von Populisten

 

Woltersdorf hat ein lebendiges Vereinsleben. Der größte unter den Woltersdorfer Vereinen ist der SV1919 mit seinen knapp 800 Mitgliedern. Fast ein Dutzend Sportarten werden angeboten und von Alt und vor allem Jung begeistert angenommen. Der SV ist damit die größter Pfeiler der Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde. Da meine achtjährige Tochter selbst mit Begeisterung in der Tischtennisabteilung des SV trainiert, weiß ich aus erster Hand um das tolle Engagement der Ehrenamtlichen des Vereins.

Woltersdorf leistet sich auch gute Sportstätten. Mit dem Sport- und Freizeitpark stehen dem SV und anderen Vereinen im Herzen des Ortes ein Fußballstadion, Sportplätze und die neue im Jahr 2014 eingeweihte Sporthalle zur Verfügung. Diese Anlagen werden vom Eigenbetrieb Sport- und Freizeitanlagen der Gemeinde Woltersdorf verwaltet. Der Eigenbetrieb ist durch den Gesetzgeber angehalten, diese Anlagen wirtschaftlich zu betreiben und entsprechende Nutzungsentgelte zu erheben. Um die Belastung für die im Ort ansässigen Nutzer von Plätzen und Sporthallen möglichst gering zu halten, reicht die Gemeinde Woltersdorf große Summen an Fördergeldern aus, aus denen die Vereine die Nutzungsgebühren mitfinanzieren können. Als einer der größten Nutzer ist der SV auch gleichzeitig der mit Abstand größter Fördermittelempfänger.

Selbstverständlich müssen diese Fördergelder beantragt werden und selbstverständlich sind dabei auch Regeln und Vorgaben einzuhalten. Und hier hapert beim SV leider seit Jahren. Teils war den Mitgliedern der Gemeindevertretung das vorgelegte Zahlenwerk widersprüchlich oder fehlerhaft und produzierte in jedem Jahr zahlreiche Nachfragen der Abgeordneten. Deshalb wurde für das aktuell Jahr beschlossen, die Förderung von 58.000 Euro auf 50.000 Euro zu reduzieren, verbunden mit der Aussicht auf spätere Bewilligung der Differenz, sobald korrekte Unterlagen vorgelegt und offene Fragen ausgeräumt sind. Und dies geschah leider nicht. Einen Ausschusstermin zur Erörterung offener Fragen nahm der Vorsitzende des SV nicht wahr, schickte auch keinen Stellvertreter.

Nun fühlten sich Mitglieder der Fraktion „Unser Woltersdorf“ (UW), die in Teilen bereits während der sog. Flüchtlingskrise im Jahr 2015 offen rechtspopulistisch auftraten, als Retter des SV auf den Plan gerufen. Statt die immer noch ausgestreckte Hand der Gemeindevertreter zu ergreifen, offene Fragen zu klären und Zahlen zu erläutern, wurde mit der Einstellung des Trainingsbetriebs gedroht, ultimative Anträge ohne Ausschussvorlauf in das Plenum der Gemeindevertretung eingebracht, die ausstehende Summe sofort ohne weitere Debatte auszureichen oder dem Sportverein gar sofort die kompletten Sportanlage der Gemeinde zur Verwaltung zu übergeben.

Des Dramas letzter Akt war ein schon fast bizarr zu nennender Auftritt von UW-Gemeindevertreter Hauke und SV-Chef Richter vor dem Ortsentwicklungsausschuss der Gemeinde Rüdersdorf, wo die beiden angebliche Pläne des SV vorstellten, drei Hektar Land in Rüdersdorf an der Grenze zu Woltersdorf zu erwerben und zu einem Sportzentrum mit Sporthalle, Sportplatz, Vereinsheim und Sportfachgeschäft zu entwickeln. Ein Rüdersdorfer Gemeindevertreter überschlug das Investitionsvolumen inklusive Machbarkeitsstudie, Änderung des Flächennutzungsplanes, Aufstellung eines Bebauungsplanes, Landerwerb, Planung und Bau der Immobilien auf eine Summe von acht bis zwölf Millionen Euro. Nicht nur die anwesenden Rüdersdorfer Kommunalpolitiker fragten sich, wie ein Verein, der wegen einer ausstehenden Förderung von 8000 Euro den laufenden Betrieb einstellen will, solche Riesensummen stemmen will. Eine Antwort erhielten sie nicht und mussten so mutmaßen, es ginge bei diesem Auftritt weniger um ein realistisches Projekt, sondern vielmehr darum, die Gemeinde Woltersdorf mit einem möglichen Wegzug des SV nach Rüdersdorf unter Druck zu setzen.

Zuletzt befasste sich der zuständige Sozialausschuss der Woltersdorfer Gemeindevertretung am 19. Juni mit dem UW-Antrag, die Auszahlung ausstehenden 8000 Euro zu beschließen. Obwohl aus der LINKEN und der SPD heraus goldene Brücken gebaut wurden, dem Antrag möglicherweise zuzustimmen, wenn seitens des SV etwas Bewegung zu erkennen wäre, ergaben sich vor allem die UW-Abgeordneten wieder in Beharren, Rechthaberei und Polemik. Erneut wurde so mit lautem Gepolter eine ausgestreckte Hand weggeschlagen. Aber das ist eben das Geschäft der Populisten: Erst gemeinsame Lösungen hintertreiben, um mit dem selbst angerichteten Schaden dann Stimmungsmache betreiben zu können. Dies nutzt vielleicht manchem UW-Fraktionär, dem SV und seinen engagierten Mitgliedern ist so nicht geholfen.